Der Mann von der anderen Seite*
Der Mann von der anderen Seite von Uri Orlev, aus dem Hebräischen übersetzt von Mirjam Pressler, ist ein Jugendroman über das Warschauer Ghetto, erzählt aus der Sicht eines polnischen Jungen. 1991 stand er auf der Auswahlliste zum Deutschen Jugendliteraturpreis.
Marian ist vierzehn, als die Verfolgung der Juden in Warschau ihren Höhepunkt erreicht. Sein Stiefvater, den er hasst, fürchtet und doch auch respektiert, schmuggelt durch die Kanalisation Lebensmittel und Waffen ins Ghetto und Babys und Flüchtlinge heraus – und Marian muss ihm dabei helfen. Dabei lernt er, dass der Hass auf Juden auch auf der polnischen Seite der Mauer groß ist und dass viele, die helfen, die Not der Verfolgten zugleich ausnutzen. Als Marian erfährt, dass sein eigener Vater Jude war, und als er sich mit einem Mann anfreundet, der sich vor den Deutschen versteckt, wird die Auseinandersetzung mit dem Judentum für ihn persönlich.
Orlev, der selbst als Kind das Warschauer Ghetto erlebte, gestaltet Marians Geschichte als Erinnerungsbericht. Die spannenden Szenen in der Kanalisation und in der Stadt verbindet er mit Fragen nach Schuld, Glauben und Mut. Die Jury hob hervor, wie die packenden Erlebnisse durch existenzielle und religiöse Überlegungen vertieft werden.
Ein bewegender Roman für Jugendliche, die sich mit dem Holocaust und dem Warschauer Ghetto beschäftigen möchten. Er eignet sich gut als Schullektüre, weil er Geschichte aus einer ungewohnten Perspektive erzählt – von der anderen Seite der Mauer.
- 📜 Deutscher Jugendliteraturpreis 1991: Auswahlliste Jugendbuch
*