Taube Klara*
Taube Klara von Wolf Spillner ist eine Erzählung über drei Generationen einer Familie und über einen Jungen, der lernt, dass zwischen „richtig“ und „falsch“ viel Raum liegt. Das Buch erhielt 1991 den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Sparte Kinderbuch.
Der etwa zehnjährige Hannes fährt mit seiner Mutter über Weihnachten zur Großmutter in ein kleines Dorf in Mecklenburg. Der Großvater ist gestorben, seine Taubenzucht musste die Großmutter aufgeben – nur seine Lieblingstaube Klara darf bleiben, ausgerechnet in der Küche. Darüber gerät die Großmutter mit Hannes’ Mutter aneinander. Hannes beobachtet die beiden Frauen, die sich annähern wollen und doch ständig aneinander reiben: wegen der Taube, wegen des Kirchgangs am Heiligabend, wegen der Frage, ob die Großmutter zu ihnen in die Stadtwohnung ziehen soll. Dahinter steht ein alter Streit zwischen den Männern der Familie, der zu Lebzeiten des Großvaters nie beigelegt wurde. Hannes selbst hat den spröden alten Mann in den Sommerferien als gerecht erlebt.
Erzählt wird aus Hannes’ Sicht, zum großen Teil als Erinnerung während der Zugfahrt zurück nach Berlin. Diese rückblickende Form hält die Spannung, und die knappe, genaue Sprache zeichnet Menschen und Stimmungen sicher. Die Jury lobte vor allem, wie ehrlich das Buch den kindlichen Blick auf Erwachsene und die zwiespältigen Gefühle eines Kindes zeigt.
Eine leise, nachdenkliche Geschichte für Leserinnen und Leser ab 10 Jahren, die sich für Familien, Konflikte und das Erwachsenwerden interessieren – und ein schönes Buch zum gemeinsamen Gespräch darüber, wie unterschiedlich Menschen leben.
- 🏆 Deutscher Jugendliteraturpreis 1991: Preisträger Kinderbuch
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