Wir Kuckuckskinder*
Wir Kuckuckskinder von Anatoli Pristawkin, aus dem Russischen übersetzt von Thomas Reschke, ist ein Jugendroman über Kinder in einem sowjetischen Sonderheim gegen Ende des Zweiten Weltkriegs. 1991 erhielt er den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Sparte Jugendbuch.
Die Kinder im „Spez“ wissen nicht, woher sie stammen, und tragen alle denselben Nachnamen: Kukuschkin. Zu Beginn des Romans haben sich einige von ihnen in einem Schuppen verschanzt, der von der Miliz umstellt ist. Wie es so weit kommen konnte, erzählt der Roman danach: Eines Tages erfährt der Ich-Erzähler Sersch, dass er der Sohn eines Dissidenten ist, der im Lager umkam. Auch die anderen Kuckuckskinder sind Kinder sogenannter Volksfeinde, deren Herkunft die Heimleitung absichtlich verschleiert hat. Eine Reise nach Moskau und weitere Erlebnisse zeigen den Kindern, wie verlogen und brutal die Erwachsenen mit ihnen umgehen, und sie beginnen sich gegen Hunger, Not und Lüge aufzulehnen.
Pristawkin erzählt in einer drastischen, oft sarkastischen Sprache, die immer wieder in zarte, poetische Passagen umschlägt. Der Härte der Außenwelt steht der feste Zusammenhalt der Gruppe gegenüber – das „Wir“ im Titel ist Programm. Die Jury würdigte das Buch als wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung des Stalinismus, geschrieben aus der Sicht beinahe Gleichaltriger.
Ein harter, eindringlicher Roman für Jugendliche, die sich mit Geschichte, Diktatur und Kindheit unter unmenschlichen Bedingungen auseinandersetzen wollen. Er eignet sich gut für den Unterricht, verlangt aber Leserinnen und Leser, die starke Szenen aushalten.
- 🏆 Deutscher Jugendliteraturpreis 1991: Preisträger Jugendbuch
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