Nennen wir ihn Anna*
Nennen wir ihn Anna von Peter Pohl, aus dem Schwedischen übersetzt von Birgitta Kicherer, ist ein Jugendroman über Mobbing und Gewalt unter Jugendlichen. 1992 stand er auf der Auswahlliste zum Deutschen Jugendliteraturpreis.
Die Geschichte beginnt in einem schwedischen Sommerlager in den fünfziger Jahren. Die Jungen aus Bude 3 geben dem Neuankömmling Anders Roos den Spitznamen „Anna“. Diese Verweiblichung seines Namens ist der Anfang einer Kette von Demütigungen und Gewalttaten, die die „Kameraden“ ihm im Lauf des Lagers zufügen. Erzählt wird aus der Sicht des achtzehnjährigen Micke, der früher selbst Opfer war und nun Sportleiter im Lager ist. Micke spricht Anna direkt mit „du“ an – eine Erzählweise, in der Mitgefühl und Distanz miteinander ringen und in der man spürt, wie überfordert er selbst ist. Im zweiten Teil setzen sich die Quälereien in Schule und Elternhaus fort.
Pohl zeigt mit großer Radikalität, wie Gewalt gegen Schwache auch in einer scheinbar menschlichen Gesellschaft entstehen kann und wie viele dabei wegsehen. Die Jury hob hervor, dass ein Jugendbuch dieses Thema bis dahin kaum so unerbittlich behandelt hatte.
Ein schwer zu verdauender, aber wichtiger Roman für Jugendliche ab 12 Jahren und für alle, die über Mobbing, Zivilcourage und Verantwortung sprechen wollen. Für den Unterricht bietet er viel Stoff zum Nachdenken, braucht aber eine gute Begleitung.
- 📜 Deutscher Jugendliteraturpreis 1992: Auswahlliste Jugendbuch
*