Lebensborn: Was meine Familie mit der NS-Rassenpolitik zu tun hat*
Lebensborn von Isabelle Maroger, aus dem Französischen übersetzt von Silv Bannenberg, ist ein autobiografischer Comic aus dem Verlag Helvetiq. 2026 war er in der Sparte Jugendbuch für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.
Die Zeichnerin, die in Lyon lebt, geht der Geschichte ihrer eigenen Familie nach. Ihre Mutter wurde in Norwegen geboren und als Zweijährige von einem französischen Ehepaar adoptiert. Erst als Erwachsene erfährt Isabelle Maroger, dass der leibliche Vater ihrer Mutter ein deutscher Soldat war und dass ihre Mutter in einem Lebensborn-Heim zur Welt kam – einer der Einrichtungen, mit denen die Nationalsozialisten in mehreren Ländern Europas die Geburtenzahl „arischer“ Kinder steigern wollten. Schicht für Schicht legt sie frei, was in der Familie verschwiegen wurde.
Der Comic wechselt zwischen den Zeitebenen, zwischen Farbe und Schwarz-Weiß, zwischen doppelseitigen Panoramen und kleinteiligen Panels. Sachinformationen zur NS-Rassenpolitik sind in die persönliche Erzählung eingeflochten, ohne dass der Humor verloren geht. Die Jury würdigte, wie die Autorin ihre Suche nach der eigenen Identität mit fundierten historischen Fakten verbindet, und lobte die Übersetzung für den sicheren Wechsel zwischen Figurenrede und Sachtext.
Lebensborn ist eine persönliche Spurensuche und zugleich ein Stück Geschichtsvermittlung gegen das Vergessen. Die Jury empfiehlt den Comic ab 16 Jahren; er eignet sich für Jugendliche und Erwachsene, die sich für die Zeit des Nationalsozialismus und ihre Folgen bis heute interessieren.
- 📜 Deutscher Jugendliteraturpreis 2026: Nominiert Jugendbuch
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