Eine Mutter sitzt mit zwei Kindern im Grundschulalter auf einem Sofa in einer hellen Stadtbücherei, alle blättern in aufgeschlagenen Büchern, daneben ein Stapel Bücher mit leeren, schlichten Einbänden (mit KI erzeugt) AI

Deutscher Jugendliteraturpreis 2026: Das sind die Gewinner

· kinderbuch-fee.de-Redaktion

Der Deutsche Jugendliteraturpreis 2026 geht an „Hier kommt ein T-Rex vor“ (Bilderbuch), „Keine Party ist auch keine Lösung“ (Kinderbuch), „Das falsche Leben“ (Jugendbuch) und die Graphic Novel „Schweigen“ (Sachbuch). Die Jugendjury zeichnete „Badjens“ aus, die Sonderpreise gingen an Jutta Richter für ihr Gesamtwerk und an Franziska Hörner als neues Talent. Verliehen wurden die Preise am 9. Oktober 2026 auf der Frankfurter Buchmesse (Dachverband Jugendliteratur, Preisträger 2026, abgerufen 31.10.2026). Alle sieben Auszeichnungen gingen an Frauen, der Dachverband spricht von den „Siegerinnen“. Hier erfahrt ihr, worum es in den Büchern geht und für welches Alter sie gedacht sind.

Das Wichtigste in Kürze

  • Für die Kleinen: Das Bilderbuch „Hier kommt ein T-Rex vor“ ist ab 6 Jahren empfohlen, das Kinderbuch „Keine Party ist auch keine Lösung“ ab 9.
  • Für Jugendliche: „Das falsche Leben“ (ab 13), „Badjens“ (ab 14) und „Schweigen“ (ab 16) erzählen von DDR, Iran und dem Verschwinden von Menschen in Diktaturen.
  • Gesamtwerk: Jutta Richter erhält 12 000 Euro und will damit kostenfreie Lesungen an Schulen anbieten.
  • Preisgeld: Jede der fünf Buchkategorien ist mit 10 000 Euro dotiert, der Preis insgesamt mit 72 000 Euro.
  • Alle Gewinner und Nominierten findet ihr gesammelt in unserer Liste zum Deutschen Jugendliteraturpreis 2026.

Was ist der Deutsche Jugendliteraturpreis?

Der Deutsche Jugendliteraturpreis ist laut Bundesfamilienministerin Karin Prien „der einzige Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur in Deutschland“. Der Bund hat ihn 1956 gestiftet, 2026 feiert er seinen 70. Geburtstag (Vorwort der Preisstifterin, abgerufen 31.10.2026). Bis 1981 hieß er Deutscher Jugendbuchpreis (Geschichte des Dachverbands).

Eine Kritikerjury wählt das beste Bilderbuch, Kinderbuch, Jugendbuch und Sachbuch, seit 2003 vergibt eine unabhängige Jugendjury ihren eigenen Preis. Teilnehmen dürfen auch übersetzte Bücher; 2026 stammen zwei der fünf Siegertitel aus dem Französischen. Die Nominierungen werden im März auf der Leipziger Buchmesse bekannt gegeben, die Preise im Oktober in Frankfurt verliehen (English Key Facts). Für 2026 waren je Sparte sechs Titel nominiert (Nominierungen 2026).

Kategorie Buch Autorin / Illustratorin Verlag Alter Preis (D)
Bilderbuch Hier kommt ein T-Rex vor Julie Douine, Noémie Favart Aladin ab 6 16 €
Kinderbuch Keine Party ist auch keine Lösung Anna Maria Praßler, Theresa Strozyk Klett Kinderbuch ab 9 16 €
Jugendbuch Das falsche Leben Maja Nielsen Gerstenberg ab 13 15 €
Sachbuch Schweigen Birgit Weyhe avant ab 16 39 €
Preis der Jugendjury Badjens Delphine Minoui Orlanda ab 14 21 €
Neue Talente Und mir bleibt der hässliche Hund Franziska Hörner Thienemann ab 13 14 €

Altersangaben und Ladenpreise stammen von den Buchseiten des Dachverbands.

Bilderbuch: „Hier kommt ein T-Rex vor“

Trotz des Titels ist das Siegerbuch kein Dinosaurierbuch. Ein alleinerziehender Vater und seine Tochter leben in einem „sozial prekären Hochhausviertel“, er erzählt Geschichten aus der Vergangenheit, sie wünscht sich einen Baum zwischen dem Beton. Mit einer heimlichen Pflanzaktion macht der Vater den Wunsch wahr. Die Jury lobt die detailreichen Illustrationen, die den Wandel des Viertels Schritt für Schritt zeigen (Jurybegründung Bilderbuch). Text: Julie Douine, Bilder: Noémie Favart, aus dem Französischen übersetzt von Anja Kootz.

Kinderbuch: „Keine Party ist auch keine Lösung“

Die neunjährige Jagoda lädt die neue Mitschülerin Mia spontan zu ihrem Geburtstag ein, obwohl sie im Frauenhaus lebt. Ihre Adresse darf sie aus Sicherheitsgründen nicht verraten, und das Geld fehlt auch. Ihr bleiben vier Tage. Die Jury hebt hervor, dass Anna Maria Praßler Armut und häusliche Gewalt aus Kindersicht erzählt, mit Sprachspielen rund um die Farbe Blau und ohne explizite Gewaltszenen. Theresa Strozyk hat das Buch in Schwarz und Blau illustriert (Jurybegründung Kinderbuch).

Jugendbuch: „Das falsche Leben“

Hannover, 1979: Thomas reist mit seiner Familie angeblich zum todkranken Großvater auf Usedom. In Wahrheit ist sein Vater ein enttarnter DDR-Spion, die Familie kommt nicht mehr in den Westen zurück. Es folgen Fahnenappell, Stasi-Bespitzelung, Verhör und Haft. Maja Nielsens Roman beruht laut Jury auf der wahren Geschichte von Thomas Raufeisen (Jurybegründung Jugendbuch).

Sachbuch: „Schweigen“

Den Sachbuchpreis gewinnt eine Graphic Novel. Birgit Weyhe verknüpft die Geschichten zweier Frauen: Ellen Marx, 1939 nach Argentinien emigriert, verliert dort während der Militärdiktatur ihre Tochter, die spurlos verschwindet. Elisabeth Käsemann wird 1977 als Regimegegnerin erschossen (Jurybegründung Sachbuch). Auch der Verlag avant meldete den Preis am Tag der Verleihung (avant-verlag, 09.10.2026). Mit der Empfehlung ab 16 ist es das Buch für die ältesten Leserinnen und Leser.

Preis der Jugendjury: „Badjens“

Die Jugendjury entschied sich für den Roman der französisch-iranischen Journalistin Delphine Minoui, übersetzt von Astrid Bührle-Gallet. „Badjens“ heißt auf Persisch etwa „nicht akzeptabel“ oder „aufmüpfig“. Erzählt wird von einem Mädchen im Iran, dessen Rebellion online beginnt und auf einer Demonstration unter dem Ruf „Frau, Leben, Freiheit“ gipfelt. Das Buch war doppelt nominiert, auch die Kritikerjury hatte es in der Sparte Jugendbuch ausgewählt (Jurybegründung Jugendjury).

Sonderpreise: Jutta Richter und Franziska Hörner

Jutta Richter erhält den mit 12 000 Euro dotierten Sonderpreis für ihr Gesamtwerk. Die Jury schreibt, sie stehe „immer auf der Seite der Kinder“. Richter wurde 1955 geboren, lebt seit 1978 als Autorin im Münsterland, ihre Bücher sind in 31 Sprachen übersetzt. Das Preisgeld will sie nutzen, um Schulen kostenfreie Lesungen anzubieten (Sonderpreis Gesamtwerk 2026).

Den Deutschen Jugendliteraturpreis hat sie schon einmal gewonnen: 2001 in der Sparte Kinderbuch für „Der Tag, als ich lernte die Spinnen zu zähmen“. Vor ihr wurden unter anderem Paul Maar, Kirsten Boie und Cornelia Funke für ihr Gesamtwerk geehrt (Sonderpreise). Ihre Bücher sammeln wir in der Liste Die besten Kinderbücher von Jutta Richter.

Der mit 10 000 Euro dotierte Sonderpreis „Neue Talente“ geht an Franziska Hörner für ihren Jugendroman „Und mir bleibt der hässliche Hund“. Nach dem Unfalltod seiner Eltern und seiner Schwester bleibt dem 16-jährigen Felix nur der Hund seiner Schwester, Bolt. Der Roman ist ab 13 Jahren empfohlen. Die Jury lobt einen Roman, der trotz Trauer leicht und komisch bleibt (Jurybegründung Neue Talente).

Fazit: Mutige Bücher mit klarer Altersempfehlung

Der Jahrgang 2026 setzt auf schwierige Themen, erzählt sie aber altersgerecht: Armut und Frauenhaus im Kinderbuch ab 9, DDR und Iran für Jugendliche ab 13 und 14, Diktatur und Verschwinden in der Graphic Novel ab 16. Für Jüngere ist das Bilderbuch der leichteste Einstieg. Wer ein Geschenk sucht, orientiert sich am besten an der Altersempfehlung in der Tabelle oben. Weitere ausgezeichnete Bücher findet ihr in der Kategorie Auszeichnungen & Awards und Tipps zur Auswahl in unserem Ratgeber Wie finde ich das richtige Kinderbuch?.

Häufige Fragen

Wann wurde der Deutsche Jugendliteraturpreis 2026 verliehen?

Am 9. Oktober 2026 auf der Frankfurter Buchmesse (Preisträger 2026).

Wie hoch ist das Preisgeld?

Jede der vier Kategorien der Kritikerjury und der Preis der Jugendjury sind mit je 10 000 Euro dotiert, der Sonderpreis Gesamtwerk mit 12 000 Euro und der Sonderpreis Neue Talente mit 10 000 Euro. Insgesamt sind es 72 000 Euro (English Key Facts).

Welches Gewinnerbuch passt für Grundschulkinder?

Das Bilderbuch „Hier kommt ein T-Rex vor“ ist ab 6 Jahren empfohlen, das Kinderbuch „Keine Party ist auch keine Lösung“ ab 9 Jahren. Die übrigen Preisbücher richten sich an Jugendliche ab 13. Für Grundschulkinder eignen sich außerdem Bücher der Gesamtwerk-Preisträgerin Jutta Richter, etwa „Die Katze oder wie ich die Ewigkeit verloren habe“ ab 10 Jahren.

Wer wählt die Gewinner aus?

Eine Kritikerjury vergibt die Preise für Bilderbuch, Kinderbuch, Jugendbuch und Sachbuch, eine Jugendjury ihren eigenen Preis und eine Sonderpreisjury die Preise für Gesamtwerk und Neue Talente (Preisträger 2026).

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